Sonntag, 9. September 2007

Albany 4 - Höhen und Tiefen

Ich habe einen zweiten Versuch gestartet und den Fernseher noch einmal angestellt. Und siehe da, das Ergebnis war gleich besser. Es fing mit Friends an und ging dann in Grusel über. Da ich in diesem Haus alleine bin und draußen hin und wieder mal der Bewegungmelder draußen angeht, war ich nachher offen gestanden ziemlich verängstigt. Vielleicht bleibt der Fernseher doch eher aus. Zum Fernstehschauen bleibt auch gar keine Zeit. Ehrlich gesagt habe ich die letzten zwei Wochen jeden Tag bis 11 Uhr abends am Schreibtisch gesessen. Die Maßstäbe werden hier hoch angesetzt. Einerseits versuche ich, das Thema meiner Doktorarbeit einzugrenzen. Wo ich vor einem Monat also noch dachte, dass ich genau wüsste, worüber ich schreibe, klaffen jetzt einige Fragezeichen. Aber ich schreibe ja nicht umsonst über Wandel, da muss ich dann wohl auch selbst mal durch. Also besuche ich meine Kurse, lese, lese, lese, versuche mein Thema einzugrenzen, eine Fallstudie zu finden, ...

Weil ich eine echte Deutsche bin, wollte ich dann auch mal wieder zu Aldi. Ich glaube kaum, dass es viele Menschen gibt, die so viel auf sich genommen hätten, nur um zu Aldi zu kommen - und das bei
35°C. Aldi ist wie gesagt in der Nachbarstadt Rensselear und mit dem Bus war ich ja schon einmal dort. Amerika ist nur leider nicht Holland. Mit dem Fahrrad über den Hudson River zu kommen, erwies sich als echte Herausforderung. Eigentlich ist es ganz einfach - wenn man ein Auto hat. Doch der Zugang zur Brücke ähnelte eher einer Schnellstraße und Fahrräder waren auch nicht erlaubt.


Da wollte ich hoch.










Und da wollte ich drüber.



Ich habe natürlich Leute gefragt und irgendjemand wusste von einem Fußgängerüberweg.




Ich habe noch ein bisschen rumgefragt, bin weiter mit meinem Fahrrad rumgekurvt und irgendwann hatte ich sie dann endlich gefunden, die Rampe zur Brücke.



Es waren 35°C, das muss ich noch einmal anmerken, und ich war bereits seit über einer Stunde unterwegs. Irgendwann war ich dann aber auch bei Aldi.
Aah, deutsches Brot! Schokolade (bei 35°C)!
Dann machte ich mich wieder auf den Rückweg. Es dauerte nicht lange und es wurde ziemlich grau. Wirklich in die Pedalen treten, konnte ich nicht, weil es echt steil bergauf ging und meine Einkäufe recht gewichtig waren. Wenig später kam ein riesen Gewitter runter. Als 20 Meter weiter wegen des Winds ein Ast runterkrachte, der so dick war wie mein Bein, machte ich, dass ich nach Hause kam. Durch das Gewitter hat es von 35 auf 30°C abgekühlt. Was für eine Erleichterung. ;-).

So, das waren eher die Tiefpunkte. Dafür sind die Menschen hier s
ehr nett und hilfsbereit. Super für tiefgreifende Diskussionen außerdem.
Montag haben mich zwei meiner Professoren auf einen County Fair mitgenommen. Dort gab es auch Western Riding und ein Rodeo. Reiten auf Bullen und so. Unten sieht man einen der Bullen, NACHDEM er sich von seinem Reiter verabschiedet hatte. Ich habe es mir mit eher gemischten Gefühlen angeschaut und fand die Geschicklichkeitswettbewerbe mit den Pferden irgendwie interessanter. Das Publikum war aber das Interessanteste überhaupt. Alles Weiße. Einen Schwarzen habe ich gesehen, keine Asiaten, keine Mexikaner. Eine echte amerikanische Cowboy-Tradition also.

Für einen meiner Kurse hatte ich an diesem Wochenende die vielleicht interessanteste Hausaufgabe überhaupt. Ich musste irgendeine Interaktion von Menschen detailliert beschreiben. Als ich vom Supermarkt zurückkam, bin ich dann an einem Café vorbeigekommen, wo gerade drei Gitarristen ihr Bestes gaben. Eine halbe Stunde später war ich wieder dort - mit meinem Laptop bewaffnet - und habe die nächsten zwei Stunden damit verbracht, das Treiben in dem Café zu beobachten. Und wenn ihr jetzt denkt, was für eine verrückte Idee, dann muss ich euch sagen, dass ich nicht die einzige dort war. Jemand aus meinem Kurs tauchte auf und war dann ebenfalls fleißig am beobachten und tippen.



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